Das Stuttgarter Polizeimuseum - eine Vision wird Wirklichkeit!
Mit der Gründung des Polizeihistorischen Vereins Stuttgart e.V. im Jahre 2007 war ein wichtiges Ziel verbunden: Neue Akzente bei der Präsentation und Vermittlung der Stuttgarter Polizeigeschichte zu setzen. Bereits im Frühjahr 2007 wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Rahmen für das geplante Museum errichtete.
Trägerschaft und Sitz
Das Polizeimuseum Stuttgart befindet sich in landeseigener Trägerschaft (Polizeipräsidium Stuttgart), wird aber vom Polizeihistorischen Verein Stuttgart e.V. ehrenamtlich geplant, errichtet und betrieben. Die zukünftigen Ausstellungsräume - ein geräumtes ehemaliges Lager mit ca. 220 m² Fläche - befinden sich im Untergeschoss des Gebäudes B des Polizeipräsidiums Stuttgart.
Adresse: Hahnemannstraße 1, 70191 Stuttgart
Die Philosophie
Mit der geplanten Dauerausstellung in den Räumen des Polizeipräsidiums Stuttgart - im ehemaligen Robert-Bosch-Krankenhaus auf dem Stuttgarter Pragsattel - wird ein weiterer Schritt getan, nicht nur den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Stuttgarter Polizei, sondern auch der Öffentlichkeit interessante und bislang unbekannte Begegnungen mit der Stuttgarter Polizeigeschichte zu ermöglichen.
Damit soll zum Dialog über die Vergangenheit angeregt werden und eine Brücke des Verständnisses zur Gegenwart gebaut sein. Insbesondere sollen die Themen in der Ausstellung angesprochen werden, die für die staatsbürgerliche Bildung der Polizeibeamten und Beamtinnen sowie weiterer jugendlicher Zielgruppen zur Entwicklung und Stärkung eines demokratischen Bewusstseins wichtig sind.
Mit dieser Dauerausstellung sollen auch das Verständnis für die gesellschaftspolitische Aufgabe der Polizei und die Verbundenheit der Bürger mit ihrer Polizei gefördert werden.
Die Konzeption
Mit der Ausstellung der Stuttgarter Polizeigeschichte sollen historische Originalobjekte in Themeninseln eingebaut und in einen verständlichen Zusammenhang gestellt werden. Polizeigeschichte bleibt somit nicht abstrakt, sondern wird zum verständlichen Erlebnis. Die Geschichte der Objekte wird erzählt und somit auch die Geschichte der handelnden Polizeibeamten, Politiker und Menschen der Stadt Stuttgart.
Konsequent werden fast ausschließlich solche Objekte gesammelt, erworben und ausgestellt, die einst Polizeibezug zur Landeshauptstadt hatten, eine Geschichte erzählen und die etwas vermitteln können.
Wie sich die eigene Geschichte der Stuttgarter Polizei darstellt, eingebettet in die Zeitläufe unserer Stadtgeschichte, dem sollen die Menschen, die hier leben und arbeiten, Polizeiangehörige und Bürger, in ihrer Lebens- und Erfahrungswelt vor Ort authentisch begegnen.
Der Prolograum
Zum Beginn der Ausstellung werden anhand historischer Fotos typische Arbeitsfelder aus der polizeilichen Arbeitswelt und die sich im Laufe der Zeit veränderten Einsatzbedingungen aufgezeigt. Hierzu gehören kriminalpolizeiliche Arbeitsfelder, das Demonstrationsgeschehen, Fußballeinsätze , die Herausforderungen im Verkehrsbereich oder der Weg vom obrigkeitsstaatlichen Büttel zum Dienstleister für Sicherheit. Ergänzt werden die Bilder mit Texttafeln und themenbezogenen Exponaten.
Die Wache
Das „Herz“ der Polizeiorganisation ist die Polizeiwache oder das Polizeirevier. Sie ist 24 Stunden für den Bürger geöffnet. Mit der Darstellung einer Wache der 60er Jahre soll aufgezeigt werden, unter welchen räumlichen und technischen Bedingungen in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg Polizeiarbeit stattgefunden hat
Die Waffensammlung
Zweifellos hat die Polizei als Träger des staatlichen Gewaltmonopols eine besondere Verantwortung im Umgang mit den „Hilfsmitteln der körperlichen Gewalt“. Ob es früher der Säbel oder heute eine Schusswaffe waren, die Geschichte der Bewaffnung, Schießausbildung und Folgen vom Gebrauch der Schusswaffe sind elementar mit dem polizeilichen Alltag verbunden.
In einem besonders gesicherten Raum werden die Schusswaffen, Säbel und sonstigen Hilfsmittel der körperlichen Gewalt vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart gezeigt.
Der NS-Staat und die Stuttgarter Polizei
Anhand von Organigrammen, Erlassen und Befehlen wird dokumentiert, wie die organisatorische Gleichschaltung der Stuttgarter Polizei im Dritten Reich vollzogen wurde. Auch die Verstrickung einzelner fanatischer Polizeibeamter, die Deportation der jüdischen Bevölkerung, die Reichspogromnacht und die Rolle der Stuttgarter Polizei und Gestapo wird beleuchtet.
Polizeichronik und Uniformen
Die Entwicklung der Stuttgarter Polizeiorganisation vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart mit den vielfachen Aufgabenfeldern wird an der Dienstkleidung deutlich.
Gab es früher lediglich eine Einheitsuniform, so sind durch die Spezialisierung der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung Sonderbekleidungen für Verkehrspolizisten, Leichensachbearbeiter, Kriminaltechniker, Brandermittler, Polizeireiter, Hundeführer, Einsatzbeamte, Frauen im Polizeidienst, hinzugekommen.
Kriminaltechnik im Dienste der Verbrechensbekämpfung
Mit der Einführung des „Bertillonischen Messverfahrens“ im Jahre 1898 wird bei der Stuttgarter Kriminalabteilung erstmals ein Verfahren zur Personenidentifizierung angewandt. Dies ist die Geburtsstunde der „Erkennungsdienstlichen Behandlung“ von Verdächtigen, die 1914 durch die allgemeine Einführung des Fingerabdruckverfahrens abgelöst wird.
Die Darstellung einer sogenannten ED-Behandlung, die Weiterentwicklung der Tatortarbeit bis hin zur DNA-Analyse, das Ausstellen von kriminalpolizeilichem „Spezialgerät“, Observationstechnik, Spurensicherung und Daktyloskopie stehen im Mittelpunkt dieser Themeninsel.
Falschgeld
Die Gier nach Geld ist bis zum heutigen Tag ungebrochen. Mit welchem handwerklichen Geschick, aber auch mit welcher Plumpheit und Dreistigkeit Blüten produziert wurden, wird in der Falschgeldsammlung dokumentiert.
Verbrechen, die Stuttgart erschütterten
Mit dem Mord an der Stuttgarter Opernsängerin Anna Sutter im Jahre 1910 beginnt eine Reihe spektakulärer Kriminalfälle in Stuttgart. 1913 nahm der erste Amokfall in der deutschen Kriminalgeschichte in Stuttgart seinen Anfang, als der Lehrer Wagner 13 Menschen erschoss. 1958 wurde mit der Entführung und Ermordung des 6jährigen Joachim Goehner in Stuttgart Degerloch der erste Kidnappingfall in Deutschland bekannt.
Weitere aufsehenerregende Kriminalfälle der jüngeren Kriminalgeschichte – Brandanschläge, Erpressungen, die Tötung von zwei Polizeibeamten auf der Gaisburger Brücke, sowie ein Stuttgarter Polizeibeamter als mehrfacher Mörder - zeigen das weite Feld der Verbrechen und Verbrecher.
Der Baader Meinhof Komplex
Die „Rote Armee Fraktion“ (RAF) war über zwei Jahrzehnte der Inbegriff von Mord, Terror und sinnloser Gewalt in Deutschland. Insbesondere mit der Verlegung der ersten Generation der RAF in die Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim 1973, dem folgenden, fast zwei Jahre dauernden spektakulären sog. Baader-Meinhof-Prozeß im Stammheimer „Mehrzweckgebäude“ und den kollektiven Selbstmorden von Baader, Ensslin und Raspe im sog. „Deutschen Herbst 1977“, war auch die Stuttgarter Polizei bis auf das Äußerste gefordert..
Exemplarisch werden Momente und Ereignisse in Film, Ton und Bild dargestellt, die in engem Zusammenhang mit der Stuttgarter Polizei standen.
Verkehrspolizei
Die Lenkung und Überwachung des Straßenverkehrs, die Verkehrsunfallaufnahme, der Verkehrsunterricht, Verkehrsprävention in Verbindung mit den Ämtern der Stadt Stuttgart ist eine Hauptaufgabe der Polizei. Wie sich der Straßenverkehr von der Pferdekutsche bis hin ins Jahr 2008 entwickelt hat, und mit welchen Maßnahmen und Mitteln die Stuttgarter Polizei diese Aufgabe meisterte und meistert, soll anhand von Exponaten, Überwachungsgeräten, Einsatzmittel, Text- und Bildtafeln dargestellt werden.
Kostenrahmen
Entwicklung der Konzeption, Präsentierung der Objekte, Grafische Gestaltung, Erstellung von Texttafeln, Beschaffung von Vitrinen, Ausstellungssystemen und sonstigen Präsentationsteilen, Erneuerung des Bodenbelags, Maler-, Elektro-, Sanitär-, und Schreinerarbeiten belasten den Etat und die personellen Möglichkeiten des Polizeihistorischen Vereins bis an die Grenze des Möglichen.
Letztendlich ist der Polizeihistorische Verein Stuttgart e.V. auf Zuschüsse und Spenden angewiesen, um das Projekt verwirklichen zu können.
Zeitschiene
Der Prolograum, die Wache und der Eingangsbereich stehen vor der Fertigstellung.
Die Konzeption der Waffenausstellung, Chronik und Uniformgeschichte sind in der Konzeptionsphase, ebenso die Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Diesen Teil der Gesamtausstellung wollen wir in 2011 fertigstellen.
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